 |
 |
|
Die früheste Quelle zu Bernay ist eine Urkunde Richards II. aus dem Jahre 1025. Diese Urkunde Richards, ein Jahr vor seinem Tode verfaßt, ist
die einzige zeitgenössische Quelle zu der Abtei von Bernay. Von der in zwei Abschriften aus dem 18. Jh. erhaltenen Urkunde fehlt leider das
Original. Zuletzt wurde sie bei Marie Fauroux editiert, die die vorhandenen Abschriften aufführt, jedoch Überlieferungs- und Erhaltungszustand,
sowie Inhalt der Quelle wenig kommentiert.
|
|
|
 |
 |
|
Die wichtigen Quellen wie Gründungs- und Weiheurkunde sind nicht erhalten. Somit fehlen exakte Daten zum Kirchenbau, sowie Angaben zu Auftraggebern,
Stiftern und Bauherren. Eine präzise Bestimmung der verschiedenen Bauphasen und der gesamten Bauzeit ist anhand der Textquellen unmöglich.
|
 |
 |
|
Sämtliche zum romanischen Bau zeitgenössische Bauzeichnungen, Risse oder Konstruktionsskizzen sind verlorengegangen.
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
Gründung der Abtei durch Herzogin Judith, Tochter des Herzogs der Bretagne Als Richard II. sich mit Judith, der Tochter des bretonischen Herzogs Conan
und Schwester des Grafen Geoffroy von Rennes vermählt, bringt seine Frau große Ländereien als Mitgift mit in die Ehe. Darunter das Land von “Bernaico cum
appendentibus suis”.
|
|
|
|
Im Laufe ihrer Ehe, also von 996/1008 bis zum Tode Judiths im Jahr 1017, gründet Judith das Kloster Bernay, dessen Land sie als Mitgift mit in die Ehe
gebracht hatte. Von der Gründung des Klosters wird in verschiedenen Quellen berichtet. In Richards Urkunde von 1025 wird die Gründung folgendermaßen
beschrieben: “Igitur disposito principium ponens operi in honore beate et gloriose Dei genetricis Marie fundamenta posuit [d.i. Judith] in loco qui
Berniacus priscorum dictus est vocabulo (...).” Robert de Torigni berichtet gleich drei Mal von der Gründung des Klosters durch Herzogin Judith, in der
Gesta Normannorum Ducum folgendermaßen: “Iudith vero, uxor eius [d.i. Richard II.], ecclesiam sancte Marie Bernai fundavit.” In der Chronik erwähnt Robert
die Klostergründung nochmals im Zusammenhang mit Judiths Tod: “1017, Obiit Judith, comitissa Normanniae, quae fecit abbatiam de Bernai, uxor ducis
Ricardi.” Weiter findet man die Begründung des Klosters noch in der “Traité sur
les Ordres Monastiques et les Abbayes Normandes”: “Judith comitissa, uxor secundi Ricardi, fecit monasterium Bernai.”
|
|
|
|
Gründung auf der grünen Wiese |
|
|
|
Das Kloster Bernay wurde buchstäblich auf der grünen Wiese gebaut. Der heutige Ort Bernay entstand erst nach der Klostergründung durch Ansiedlungen um das
Kloster. Die Lage des Klosters ist recht vorteilhaft. Es liegt in einem Tal, das von zwei Flußläufen durchzogen wird: die Charentonne und der Cosnier. Das
Kloster wurde direkt an die weit verzweigte Charentonne gebaut, was bei der Gründung des Klosters ursprünglich sicher ein wesentlicher Standortfaktor war.
|
|
|
|
Die ehemalige Abteikirche Notre-Dame in Bernay ist heute eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit einschiffigem Querhaus, ausgeschiedener Vierung und
Staffelchor. Die Kirche ist in den Hauptteilen ungewölbt. Langhaus, Querhaus und Langchor tragen Holztonnen. Die Langhaus- und Chorseitenschiffe sind
steingewölbt. Der Chor ist dreischiffig und besteht aus einem Hauptchor und aus zwei, an diesen nördlich und südlich anschließenden, Nebenchören. Haupt-
und Nebenchöre besitzen je zwei Vorchorjoche, wobei die Joche im Hauptchor querrechteckig, in den Nebenchören quadratisch sind. Die Vorchorjoche sind
gegeneinander durch zwei Arkadenbögen geöffnet. Den Ostabschluß des Chores bilden drei halbrunde Apsiden, wobei die Apsiden der Chorseitenschiffe fast wie
Beulen in der geraden Wand anmuten.
|
|
|
|
Tradition in der Normandie: Kolonisationskloster |
|
|
In der Normandie gibt es schon seit dem 7. Jh. Klöster. Diese klösterliche Tradition lebt im 10. und 11. Jahrhundert wieder stark auf. Sie wird
hauptsächlich von den Herzögen der Normandie vorangetrieben und finanziell unterstützt. Schon Wilhelm Langschwert hatte sich in der Mitte des 10. Jhs. als
Initiator der Restaurierungsarbeiten und des Wiederanfangs im Kloster von Jumièges verdient gemacht. Ihm nachfolgend gründet Richard I. das Kloster von
Fécamp und dessen Sohn Richard II. ruft den Reformator Wilhelm von Volpiano ins Land. Die Herzöge der Normandie haben sich stets ganz bewußt um die Klöster
gekümmert, denn diese waren nicht nur geistliche sondern auch wirtschaftliche Zentren eines Landes. Klosterbauten ziehen Handwerker an, diese wiederum
Händler und Verkäufer. So entwickeln sich um die Klöster ganze Städte mit Handel und Märkten, die ganze Landstriche versorgen. Die Klöster treiben die
Zivialisierung der weniger bewohnten Gebiete voran. Judith setzt als Herzogin der Normandie und Frau Richards II. die Tradition der normannischen Herzöge
fort und gründet das Kloster Bernay in einer wenig besiedelten Gegend. Bernay soll die Aufgabe eines Kolonisationsklosters erfüllen, und schon bald
entwickelt sich dort erwartungsgemäß eine Ortschaft mit sprießendem Handel.
|
|
|
 |
 |
 |
 |
|
Romanesque Church Notre-Dame de
Bernay (Eure, France)
|
|
|
|
Klicken Sie
hier für weitere 40 Fotos der Kirche Notre-Dame de Bernay
|
|
|
Zum Text
der Arbeit gelangen Sie hier! Find info on the complete paper here!
|
|
|